Il paese di Bosch: il legame segreto tra Fellini e Gambettola
Er war kein Rimineser.
Er war kein Römer.
Er war aus E‘ Bosch.
Federico Fellini, der Regisseur, der eine neue Art des Filmemachens erfand, der Visionär, der Rimini auf die Weltkarte setzte – sein Blut stammte aus einem Dorf an der Via Emilia, auf halbem Weg zwischen Savignano sul Rubicone und Cesena. Ein Dorf, das im Dialekt nicht einmal existiert: Es heißt E‘ Bosch, „der Wald“. E‘ Bosch, wie der flämische Maler. Und das ist kein Zufall.
Er selbst hat es gesagt, mit ernstem Gesicht und lachenden Augen: „Wenn ich an Gambettola denke, kommt mir immer Hieronymus Bosch in den Sinn.“
Denn Gambettola – das Dorf des Vaters, das Dorf der Großmutter, das Dorf der längsten Sommer seines Lebens – war ein Gemälde von Bosch. Mit diesen verdrehten Körpern, diesen gezeichneten Gesichtern, diesem derben Lachen, das aus den Osterien drang. Ein Dorf, das wie aus einem Albtraum des 16. Jahrhunderts entsprungen schien, aber für Fellini einfach Heimat war.
Es war kein Dorf. Es war sein Geheime Archiv.
20 Kilometer westlich von Rimini. Eine Handvoll Häuser, ein Glockenturm, die Via Emilia, die es in zwei Teile schneidet. Aber in diesen Gassen, auf diesen Feldern, unter dieser sengenden Sommersonne hat Fellini alles gestohlen, was er brauchte. Die Gesichter, die Körper, die Stimmen, die Geschichten.
Von dort kommt sein Kino.
„E‘ Bosch“: das Dorf, das auf der Karte nicht existiert
Gambettola existiert im Dialekt nicht. Niemand hat es jemals so genannt. Für die Romagnoli war es schon immer E‘ Bosch.
Der Wald.
Denn bevor die Häuser, die Straßen, die Via Emilia kamen, gab es dort nur Bäume. Ein dichtes Dickicht, das die Ebene bis zum Meer bedeckte. Und als die ersten Bauern das Land urbar machten, blieb der Name: E‘ Bosch, der Wald. Ein Ort, an dem die Zivilisation spät und mühsam ankam. Wo die Traditionen hart waren, die Gesichter faltig, die Gesten langsam.
Fellini liebte diesen Namen. Er sagte ihn mit dem Mund voller romagnolischer Silben: „E‘ Bosch“. Und fügte sofort hinzu: „Wie Hieronymus Bosch“. Ein Wortspiel, das mehr war als nur ein Spiel. Denn diese Bauern mit den schiefen Gesichtern, diese Männer mit weingeschwollenen Bäuchen und zerbrochenen Zähnen, diese Großmütter, die mit dem Rohr bewaffnet Männer wie Marionetten tanzen ließen – das waren dieselben Figuren, die der flämische Maler drei Jahrhunderte zuvor auf seine Leinwände gebracht hatte.
Fellinis Romagna bestand nicht aus Postkarten. Sie bestand aus großen Nasen, schwieligen Händen, Augen, die zu viel Sonne und zu viel Wein gesehen hatten. Es war die Romagna von Bosch. Es war E‘ Bosch.
Der Vater Urbano: der Vertreter, der aus dem Wald kam
Federicos Vater, Urbano Fellini, stammte aus Gambettola.
Er war Vertreter für Spirituosen, Süßwaren und Lebensmittel. Eine Arbeit, die ihn mit dem Koffer voller Muster und dem Hut auf dem Kopf durch die Romagna führte, die Via Emilia auf und ab. Eine Arbeit als fahrender Provinzverkäufer, ohne Ruhm, ohne echtes Geld.
Urbano lernte Ida Barbiani in Rom kennen, bei einer dieser Geschäftsreisen. Sie war Römerin, jung, mit dem Kopf voller Träume. Er war ein Gambettolese mit rauem romagnolischem Dialekt. Zwei Welten, die sich zufällig begegneten.
Nach der Verlobung lebten die beiden für eine Weile in Gambettola, in der Via Soprarigossa, im Familienhaus der Fellinis. Dann zogen sie nach Rimini, wo Federico am 20. Januar 1920 geboren wurde.
Fellini war kein echter Rimineser. Er war halb Römer und halb „d’E‘ Bosch“. Ein Hybrid. Ein Mann, der den Kopf seiner römischen Mutter hatte – wach, ironisch, ein Stadtmensch – und die Wurzeln seines bäuerlichen Vaters – langsam, tief, alt. Zwei Welten, die in ihm zusammenprallten und die vielleicht seine Vision des Kinos hervorbrachten. Ein ständiger Kampf zwischen dem Heiligen und dem Profanen, zwischen Stadt und Land, zwischen Realität und Traum.
Auch Federicos Bruder hieß Riccardo. Auch seine Schwester Maddalena. Alle in Rimini geboren. Aber die Wurzeln waren in Gambettola. Und Federico hat das nie vergessen.
Die Großmutter und das Rohr: die Sommer, die einen Regisseur hervorbrachten
Die Sommer verbrachte Federico in Gambettola bei seiner Großmutter väterlicherseits.
Er selbst erzählte in seinem Buch „La mia Rimini“ von jenen Sommermorgen mit einer Präzision, die nur Kindheitserinnerungen aufweisen können:
„Nach Gambettola, ins Hinterland der Romagna, fuhr ich im Sommer. Meine Großmutter hatte immer ein Rohr in den Händen, mit dem sie die Männer wie Comicfiguren springen ließ. Kurz gesagt, sie trieb die tageweise angestellten Männer an, auf dem Feld zu arbeiten. Am Morgen hörte man lautes Lachen und ein großes Gemurmel. Dann, als sie erschien, nahmen diese gewalttätigen Männer eine Haltung des Respekts ein, wie in der Kirche.“
Die Großmutter verteilte den Milchkaffee, erkundigte sich nach allem. Sie wollte Gnichélas Atem riechen – um herauszufinden, ob er schon Grappa getrunken hatte, bevor er mit der Arbeit begann. Und Gnichéla lachte, stieß seinen Nachbarn an, wurde zum Kind. Ein Erwachsener, der sich ertappt, auf frischer Tat ertappt fühlte und wie ein kleiner Junge reagierte, der beim Marmeladenklau erwischt wurde.
Fellini schaute, memorierte, übersetzte in Bilder.
Er wusste es noch nicht, aber er baute sein Set. Diese Felder waren sein Atelier. Diese Gesichter waren seine Schauspieler. Diese Geschichten – einfach, brutal, komisch – waren seine Drehbücher.
Aus diesen Sommern hat Fellini alles mitgenommen. Jede Geste, jedes Wort, jede Stille landete in seinen Filmen. Es ist kein Zufall, dass in „Amarcord“ – dessen Titel selbst romagnolisch ist, „a m’arcord“, ich erinnere mich – Charaktere vorkommen, die aus Gambettola zu stammen scheinen. Denn von dort stammten sie wirklich. Der Lateinprofessor, der Dorfverrückte, der dicke lokale Gutsbesitzer: Sie waren alle dort, auf diesen Feldern, unter dieser Sonne.
Ciapalòs: der Mann auf dem Schubkarren, der zum Kino wurde
Die fellinianischste Figur aus Gambettola hieß Ciapalòs.
Im Romagnolischen bedeutet es „Nimm den Knochen“. Ein Spitzname, der schon für sich allein ein Film ist. Ciapalòs war ein Trunkenbold. Jeden Abend, pünktlich wie die Glocken, saß er in der Osteria und trank, bis er das Bewusstsein verlor. Jeden Abend holte ihn seine Frau – eine kleine Frau, mit einem von der Arbeit gezeichneten Gesicht. Sie lud ihn auf eine Schubkarre und brachte ihn nach Hause, unter den Augen des ganzen Dorfes.
Fellini hat ihn in „Die Clowns“ eingebaut. Er erzählte es so: „Eines Abends hing der Mann mit baumelnden Beinen aus der von seiner Frau gezogenen Schubkarre, in einem Zustand seliger Demütigung, nachdem er den allgemeinen Spott ertragen hatte. An diesem Abend traf ich die Augen des Mannes, unter dem großen Hut.“
Wenige Zeilen. Aber darin steckt das ganze Kino von Fellini. Elend und Würde. Das Lächerliche und das Tragische. Der Mensch, der zur Figur wird, noch bevor er weiß, dass er es ist.
Ciapalòs wusste nicht, dass er ein Schauspieler war. Er wusste nicht, dass ein Kind mit offenen Augen ihn stahl, ihn in sein Gedächtnis einprägte, um ihn Jahre später der Welt in Form einer Einstellung zurückzugeben. Er war nur ein Trunkenbold auf einem Schubkarren. Aber für Fellini war er bereits ein Meisterwerk.
Und es war nicht nur Ciapalòs. Es waren alle anderen. Gnichéla, der den Grappa im Atem versteckte. Die Tagelöhner, die die Großmutter mit dem Rohr verscheuchte. Die Frauen, die am Rigossa wuschen. Die Alten, die mit verschränkten Händen auf ihrem Stock vor der Osteria saßen. Jedes Gesicht war ein Film. Jede Geste eine Szene. Jede Geschichte ein Drehbuch.
Ein Western ohne Schießerei: der Film, den Fellini nie gedreht hat
Fellini liebte die romagnolischen Bauern mit einer instinktiven Zuneigung. Er sagte einmal: „Eines Tages würde ich gerne einen Film über die romagnolischen Bauern drehen: einen Western ohne Schießereien, betitelt ‚Osciadlamadona‘. Ein Fluch: aber vom Klang her ist es schöner als ‚Rasciamon‘.“
Er hat diesen Film nie gemacht. Aber in gewisser Weise hat er ihn immer gemacht. Jeder seiner Filme enthält ein Stück Gambettola. Ein Fetzen dieser Erde. Ein Echo dieser Stimmen.
„La strada“ – mit Zampanò, der Gelsomina durch die Straßen Italiens schleppt – ist auch die Geschichte jener Bauern, die ihr Land verließen, um anderswo Arbeit zu suchen. „I vitelloni“ – jene Jungen, die nie erwachsen werden, die ziellos in einer Provinzstadt herumlungern – sind auch die Söhne von Gambettola, die nicht erwachsen werden wollten. „Amarcord“ – ganz und gar, von der ersten bis zur letzten Szene – ist ein Fresko der ländlichen Romagna, die Fellini in sich trug und die er nie verraten hat, nicht einmal, als er der berühmteste Regisseur der Welt wurde.
Ein Journalist fragte ihn einmal: „Warum setzen Sie immer diese grotesken Figuren in Ihre Filme?“ Fellini sah ihn mit seinen naiv wirkenden Augen an und antwortete: „Weil ich sie alle kannte. In Gambettola.“
Amarcord: der Film, der ein Land ist
Wenn es einen Film gibt, in dem Gambettola präsenter ist als je zuvor, dann ist es „Amarcord“. Der Titel selbst – „a m’arcord“, ich erinnere mich auf Romagnolo – ist eine Hommage an die Sprache dieser Orte. Es ist kein Zufall, dass der Film fast ausschließlich in Cinecittà gedreht wurde, aber wie ein auf der Straße gedrehter Dokumentarfilm wirkt.
Denn die Straßen von „Amarcord“ sind nicht die von Rimini. Es sind die von Gambettola. Die engen Gassen, die staubigen Plätze, die Gesichter der Passanten, die langsamen Gesten der im Sonnenlicht sitzenden Alten. Der Lateinprofessor, der wie aus einem Gemälde von Bosch zu kommen scheint – in Gambettola hatte Fellini ihn gesehen. Der Dorfverrückte, der auf den Baum kletterte und schrie „Ich will eine Frau!“ – ebenso. Die üppige Tabakverkäuferin, die alle begehrten – dieselbe Wurzel, dasselbe Land.
„Amarcord“ ist ein Chorfilm, hat aber keinen Protagonisten. Der Protagonist ist das Dorf. Und genau das war Gambettola für Fellini: ein Stimmenchor, ein kollektives Fresko, eine Galerie von Charakteren, die kein Drehbuch brauchten, weil sie bereits existierten.
Als „Amarcord“ 1973 herauskam, bezeichnete die Kritik ihn als „Rückkehr in die Kindheit“. Tatsächlich war es eine Rückkehr nach Gambettola. In jene Sommer. Zu jener Großmutter mit dem Rohr. Zu diesem Kind, das Geschichten stahl.
Die Gambettoleser vitelloni: die Jungs, die nicht erwachsen werden wollten
In den Sommern von Gambettola traf Fellini auch sie: die vitelloni.
Nicht die aus dem Film – die echten. Junge Männer, die ihre Zeit in der Osteria verbrachten, die keine Lust hatten, das Land wie ihre Väter zu bearbeiten, aber auch nicht den Mut, wegzugehen. Sie blieben dort, saßen auf den Mauern und sahen den Autos auf der Via Emilia zu. Sie rauchten, lachten laut, neckten sich. Mit zwanzig schienen sie schon alt. Mit dreißig waren sie schon erledigt.
Fellini fotografierte sie mit den Augen. Er legte sie in eine Schublade der Erinnerung. Jahre später, als er „I vitelloni“ schrieb, erfand er nichts: er erinnerte sich. Diese Provinzjungen, ohne Zukunft, aber voller Posen – Mora, Fausto, Leopoldo, Alberto – hatte er alle in Gambettola kennengelernt. Sie hatten nur einen anderen Namen und ein sonnenverbranntes Gesicht.
In einer Filmszene laufen die vitelloni in einer Winternacht mit hochgezogenem Jackenkragen über den Pier von Rimini und reden über Frauen, Geld, Dinge, die sie tun werden, aber nie tun. Fellini sah dieselben Szenen in Gambettola, auf einer Landstraße statt auf dem Pier, mit denselben Gesten, derselben verlorenen Ausstrahlung, derselben Melancholie.
Es war nicht Rimini. Es war E‘ Bosch. Aber es war derselbe Film.
Das Grand Hotel und der Schubkarren: zwei Seiten derselben Romagna
Fellinis Rimini ist zweigeteilt. Auf der einen Seite steht das Grand Hotel, das Cinema Fulgor, der Ostpier, die Orte des mondänen Strandlebens. Auf der anderen Seite liegt Gambettola. Die Felder. Die Osterien. Ciapalòs‘ Schubkarren.
Es sind keine zwei getrennten Welten. Sie sind dasselbe. Denn Fellinis Größe bestand gerade darin, verstanden zu haben, dass die Poesie sowohl im Schubkarren des Trunkenbolds als auch im Kronleuchter des Grand Hotels liegt. Dass das Groteske und das Erhabene in derselben Einstellung koexistieren. Dass es keinen Unterschied gibt zwischen dem gezeichneten Gesicht von Gnichéla und dem verlorenen Blick von Anita Ekberg im Trevi-Brunnen.
Gambettola und Rimini waren in Fellinis Kopf dasselbe. Zwei Seiten derselben Romagna. Die der Träume und die der Mühsal. Die der Lichter und die des Schweißes.
Das Fellini-Haus heute: vom Ruine zum Museum
Heute gibt es in Gambettola, in der Via Soprarigossa, noch das Haus, in dem Urbano und Ida lebten und in dem der kleine Federico seine Sommer verbrachte. Es ist ein einfaches, anspruchsloses Gebäude, wie die Häuser der romagnolischen Bauern einfach waren. Sichtmauerwerk, Ziegel, ein Hof, in dem die Großmutter das Rohr aufbewahrte.
Jahrelang war es eine Ruine. Die Mauern zerbröckelten, das Dach brach ein, Unkraut wucherte im Hof. Baufällig, vergessen, kurz vor dem Abriss. Manche wollten es abreißen und einen Parkplatz daraus machen. Andere wollten es verrotten lassen.
Dann, im Jahr 2008, beschloss die Gemeinde Gambettola, dass es so nicht enden durfte. Sie genehmigte ein ehrgeiziges Projekt: Das Fellini-Haus soll ein Kinomuseum werden. Mit einem angeschlossenen Internationalen Freiluft-Filmfestival im angrenzenden Park. Das Haus befindet sich neben dem größten grünen Park der Rubicone-Region: 24.000 Quadratmeter Fläche. Es grenzt an den Bach Rigossa, der zu einer Etappe des Rad- und Fußweges vom Meer zu den Hügeln werden könnte.
Es ist noch ein laufendes Projekt. Aber die Idee ist richtig. Denn Fellini war nicht nur der Regisseur von Cinecittà. Er war auch das Kind, das nackt über die Felder von Gambettola rannte, Eier aus dem Hühnerstall der Großmutter stahl und Ciapalòs auf einem Schubkarren hin- und hergeschleudert sah, als wäre er ein König ohne Thron.
Fellinianischer Reiseplan: von Rimini nach Gambettola
Wenn man den Spuren des jungen Federico folgen möchte, ist der Weg einfach. Und man braucht keinen Reiseführer.
Fahrt von Rimini los. Vom Grand Hotel, das mit seiner weißen Masse die Promenade überragt. Von dort geht es zu Fuß zum Cinema Fulgor in der Via Gambalunga – dem Kino, das Fellini als Junge besuchte, heute restauriert. Dann geht es hinunter zum Borgo San Giuliano, dem Fischerviertel, das er liebte und das heute ein Freilichtmuseum ist: fellinianische Wandmalereien an jeder Mauer, Gesichter von Figuren aus seinen Filmen, die von allen Wänden blicken.
Dann nimmst du das Auto. 20 Kilometer auf der Via Emilia in Richtung Cesena. In 20-25 Minuten bist du in Gambettola.
Du kommst in der Via Soprarigossa an. Parkst. Steigst aus. Vor dir liegt das Haus der Großmutter. Es wirkt kleiner, als du es dir vorgestellt hast. Aber es ist da. Die Mauern sind dieselben. Der Hof ist der, wo die Großmutter die Männer mit dem Stock springen ließ. Der Wind ist derselbe, der das Lachen von Gnichéla und das Murren von Ciapalòs trug.
Schließe die Augen und du hörst sie. Es ist nicht schwer. Sie sind immer noch da. Fellini hat sie für immer eingefroren.
Wenn du möchtest, kannst du nach Gambettola zurück nach Rimini fahren und das Fellini Museum in der Via Oberdan besuchen. Aber sei vorbereitet: Es ist klein. Sharon Stone, die vor einigen Jahren nach Rimini eingeladen wurde, besuchte es in drei Minuten und kommentierte: „Das war’s schon?“
Das wahre Erbe Fellinis liegt anderswo. Es liegt in den Gesichtern der Menschen, in den Gassen des Borgo San Giuliano, in den Wandmalereien, die von jeder Wand blicken. Es liegt im Grand Hotel, das sich im Meer spiegelt. Es liegt am Ostpier, wo die Vitelloni mit hochgeschlagenem Kragen spazierten. Und es liegt in Gambettola, in diesem Haus in der Via Soprarigossa, im Hof, wo eine mit einem Weidenrute bewaffnete Großmutter einem Kind beibrachte, dass die Realität bereits ein Film ist.
Drei Minuten, Sharon? Fellini hätte mehr verdient. Aber vielleicht lag das Problem nicht am Museum. Vielleicht lag das Problem darin, dass Fellinis wahres Museum nicht in vier Wänden liegt. Es liegt in jenen 20 Kilometern zwischen Rimini und Gambettola. Es liegt in jedem Gesicht, das man auf der Straße trifft. Es liegt im Wind, der heute wie damals immer noch das Lachen von Gnichéla und die würdevolle Stille von Ciapalòs trägt.
Von Rimini aus gibt es eine weitere Spur: das Fellini Museum in der Via Oberdan. Vielleicht nicht dem Namen gerecht werdend – Sharon Stone, die nach Rimini eingeladen wurde, besuchte es in drei Minuten und kommentierte lapidar: „Das war’s schon?“ – aber es ist ein Ausgangspunkt. Fellinis wahres Erbe ist in der Stadt verstreut, in den Gesichtern der Menschen, in den Gassen des Borgo, an den Tischen des Caffè Commercio. Und in Gambettola.
Denn um Fellini zu verstehen, genügt Rimini nicht. Man muss nach Gambettola gehen. Man muss sehen, wo sein Vater geboren wurde. Wo seine Großmutter die Tagelöhner mit dem Weidenrute weckte. Wo ein Betrunkener auf einem Schubkarren ein Kind für das Kino begeisterte.
Und wenn du das nächste Mal „Amarcord“ oder „Die Clowns“ oder „La strada“ siehst, verweile einen Moment bei den Nebencharakteren. Die, die im Hintergrund stehen, die nicht sprechen, die wie Statisten wirken. Das sind sie nicht. Das sind die Geister von Gambettola. Das sind Gnichéla, Ciapalòs, die echten vitelloni, die Tagelöhner der Großmutter. Fellini hat sie nie vergessen. Er hat sie alle mitgenommen, von der Via Soprarigossa nach Cinecittà, von diesem Schubkarren zu einem Oscar.
Das war Fellini: Ein Kind, das nie aufgehört hat, Geschichten zu stehlen. Und E‘ Bosch, der Wald, war sein Lieblingsort dafür.
Häufig gestellte Fragen zu Fellini und Gambettola
Welche Verbindung besteht zwischen Fellini und Gambettola?
Federico Fellinis Vater, Urbano, stammte aus Gambettola. Der kleine Federico verbrachte die Sommer seiner Kindheit im Dorf bei seiner Großmutter und schöpfte von dort viele Charaktere und Szenen für seine Filme.
Wo befindet sich das Fellini-Haus in Gambettola?
In der Via Soprarigossa, in Gambettola (FC). Nach Jahren der Vernachlässigung hat die Gemeinde ein Projekt genehmigt, um es in ein Kinomuseum mit einem Freiluftfestival umzuwandeln.
Was bedeutet „E‘ Bosch“?
Es ist der Dialektname für Gambettola, was „der Wald“ bedeutet. Fellini liebte die Ähnlichkeit mit Hieronymus Bosch, dem flämischen Maler, und sagte, wenn er an Gambettola denke, komme ihm Bosch in den Sinn.
Welche Fellini-Filme sind von Gambettola inspiriert?
Insbesondere „Amarcord“, „Die Clowns“ und „La strada“ enthalten Charaktere und Atmosphären, die aus Fellinis Sommertaschen in Gambettola stammen. Fast alle seine Filme haben Anklänge an die bäuerliche Romagna.
Wie weit ist Gambettola von Rimini entfernt?
Etwa 20 Kilometer westlich, an der Via Emilia in Richtung Cesena. Man erreicht es mit dem Auto in 20-25 Minuten.
Fellini war nicht irgendein Rimineser. Er war ein Mann mit Wurzeln im Land von E‘ Bosch, einem Dorf, das aussah wie ein Gemälde von Bosch und ihm die Gesichter, Geschichten und Obsessionen eines ganzen Lebens schenkte. Im Aqua Hotel wissen sie, wo man gut isst.




