Rimini, wie du es noch nie gesehen hast: das Tagebuch eines Concierge

Vom Prato della Sartona zum Romeo-Neri-Stadion

Vom Prato della Sartona zum Romeo-Neri-Stadion

Meta description: Vom Prato della Sartona über die Pferderennbahn bis zum Romeo-Neri-Stadion: die ganze Geschichte des Rimini-Fußballtempels – mit vergrabenen Knochen, einer Gräfin und drei Goldmedaillen.

Heute nennen sie es Romeo-Neri-Stadion. Und wer es von außen sieht – die Haupttribüne aus Beton, die Leichtathletikbahn, die rot-weiße Schrift auf den Rängen – denkt an eine einfache Geschichte.

Fußball. Spiele. Serie B. Rimini, das gewinnt. Rimini, das verliert.

Aber es war nie nur ein Fußballplatz.

Bevor es ein Spiel gab. Bevor es eine Mannschaft gab. Bevor der erste Ball über dieses Gras rollte – war das Gebiet, auf dem heute das Romeo-Neri-Stadion steht, eine Wiese. Und sie hatte bereits einen Namen: Prato della Sartona – die Wiese der Sartoni.

Ein Name, der nach Landwirtschaft klingt, nach dem 18. Jahrhundert, nach Bauern, die Heu einbrachten. Doch dahinter verbirgt sich eine Geschichte, die noch heute Gänsehaut verursacht.

Die Gräfin, das Heiligtum und die Gebeine

Teresa Sartoni. Gräfin aus Rimini. Geboren 1760.

Im Jahr 1812 wurde sie Eigentümerin eines weitläufigen Grundstücks vor den Toren der Stadt – jenem Viertel, wo heute das Stadion, die Sporthalle und der Park der Erinnerung aufeinandertreffen. Damals war das nicht „Zentrum“. Es war Land. Vorstadt. Der Ort, an dem die Rimineser spazieren gingen, wenn sie mehr sehen wollten als Stadtmauern.

Die Gräfin beschloss, sich genau dort eine Villa zu bauen.

Nur dass auf diesem Stück Land seit über tausend Jahren das antike Heiligtum San Gaudenzo stand. Eine Kirche, die seit dem frühen Mittelalter ein religiöser Ankerpunkt der Stadt gewesen war.

Sie ließ es abreißen.

Und darunter – unter den Steinen des Heiligtums – kamen menschliche Knochen zum Vorschein.

Kein archäologischer Fund. Es waren die Überreste von Riminesern, die dort nach jahrhundertealter Tradition bestattet worden waren: die Toten bei den Lebenden, in den Kirchen, auf den kleinen Friedhöfen neben den Heiligtümern.

Napoleons Edikt von Saint-Cloud – 1806 auf Italien ausgeweitet – hatte diese Bestattungen bereits verboten. Aber die Knochen waren geblieben, unter der Erde, seit Jahrzehnten. Ugo Foscolo schrieb genau 1806 Dei Sepolcri – von diesem Edikt inspiriert.

Die Rimineser jener Zeit beschleunigten ihren Schritt, wenn sie an der neuen Villa der Gräfin vorbeikamen. Dieses Haus war ein Fremdkörper. Ein unheimlicher Ort. Die Leute bekreuzigten sich.

Vielleicht nur Geschichten. Vielleicht Legenden. Aber der Name „Prato della Sartona“ hat sich im kollektiven Gedächtnis der Stadt für mehr als zwei Jahrhunderte eingebrannt. Noch heute sagen es die echten Rimineser in den Bars von Marina Centro. E pre‘ dla Sartona.

Vom Waisenhaus zur Rennbahn: die Pferderennbahn Flaminio entsteht

Nach dem Tod der Gräfin im Jahr 1832 ging das Grundstück an einen weiblichen Orden, der dort das Waisenhaus Pio Felice gründete. Normal für die Zeit: Adlige hinterließen der Kirche ihr Vermögen. Die Nonnen brachten die Kinder unter. Die Villa wurde ein Institut.

Aber die Wiese – die blieb Wiese.

Und in Rimini, wie in allen italienischen Städten des frühen 20. Jahrhunderts, bedeutete Wiese Sport. Sie bedeutete Rennen. Sie bedeutete Pferde.

1911 entstand am Rande des Prato della Sartona die neue Pferderennbahn Flaminio. Sie ersetzte die alte Rennbahn von San Gaudenzo – die übrigens nichts mit der von der Gräfin abgerissenen Kirche zu tun hatte, sondern mit dem Viertel San Gaudenzo, wo die Pferde schon lange liefen.

Die Rimineser versammelten sich dort für die Rennen. Galopp. Wetten. Der Sonntag war ein gesellschaftliches Ritual. Die Wiese der Gräfin, erst verflucht und dann vergessen, war jetzt der Ort, an den man zum Vergnügen ging.

Das Leben in Rimini hatte schon immer die Gabe, Orte zu verwandeln.

1933 – Das Stadio del Littorio

Die Rennbahn hielt zwanzig Jahre.

1932 beschloss die Stadt: anstelle der Rennbahn ein Stadion. Die Stadt wuchs, Fußball wurde zum Massensport, Rimini wollte ein eigenes Zuhause.

Die Bauarbeiten begannen im Januar 1933. Entworfen vom Ingenieur Virginio Stramigioli. Genau ein Jahr Bauzeit. Das Ergebnis: eine Beton-Radrennbahn, drei separate Tribünen mit viertausend Plätzen, drei Sporthallen, Leichtathletikbahnen und -anlagen.

Eröffnet wurde es – wie damals üblich – unter dem Namen Stadio del Littorio.

Am 2. Juni 1934 empfing die Anlage die Ankunft einer Etappe des Giro d’Italia. Die Radfahrer kamen auf dieser neuen Bahn an, vor den Augen der ganzen Stadt. Zum ersten Mal wurde aus dem Prato della Sartona eine nationale Bühne.

Und der Rimini Calcio – die Mannschaft – begann dort zu spielen.

Romeo Neri – der Turner, der Rimini träumen ließ

Nach dem Krieg bekam das Stadion einen neuen Namen. Von Del Littorio zu Comunale (Städtisches Stadion). Es klang provisorisch – und das war es auch.

Bald darauf beschloss die Stadt, es nach ihrem größten Athleten zu benennen: Romeo Neri.

Wer war Romeo Neri?

Ein Turner aus Rimini. Der erste Sportler der Stadt, der an einer Olympiade teilnahm. Bei den Spielen von Los Angeles 1932 – zwei Jahre bevor aus der Wiese der Gräfin ein Stadion wurde – gewann Neri drei Goldmedaillen: Mehrkampf Einzel, Barren, Ringe. Drei Goldmedaillen in einer einzigen Ausgabe.

Das war nicht nur ein Rekord. Es war eine Ansage: Rimini existierte auf der Landkarte des Weltsports.

Neri wurde auch vierfacher italienischer Meister. Eine schweigsame Legende, die ihre Stadt ehrte, indem sie ihren Namen dem Tempel des lokalen Fußballs gab.

Curva Est, Baseball und der italienische Superbowl

Das Stadion wuchs mit der Stadt. In den Fünfzigern kamen die Distinti-Ränge hinzu. 1976, anlässlich des ersten – historischen – Aufstiegs von Rimini in die Serie B, wurde die Curva Est eingeweiht. Es war der 17. Oktober, gegen Cagliari. Ein Tag, den die Fans noch heute erinnern.

Aber das Romeo-Neri-Stadion hat nicht nur Fußball gesehen.

Bis 1973 – als das Stadio dei Pirati eröffnet wurde – spielte dort Rimini Baseball. Baseballspiele auf der Wiese der Gräfin. Stellt euch das einmal vor.

In den Achtzigern und Neunzigern wurde das Romeo Neri zur Bühne des American Football: Drei Ausgaben des italienischen Superbowl (1984, 1987, 1990) wurden auf diesem Feld ausgetragen. 1993 dann ein Halbfinale der Frauenfußball-Europameisterschaft.

Es war kein Stadion. Es war ein Container für Geschichten. Jede Sportart hat ihre Spur hinterlassen.

Das neue Jahrtausend – zwischen Kunstrasen und Vasco Rossi

Die Curva Est wurde 1989 entfernt, um Platz für die Leichtathletikbahn zu schaffen. Die Fans zogen auf die Distinti um. 1999 entstand eine neue Curva Est aus Metalltribünen hinter der Bahn.

2005 brachte die Anpassung an die Serie B die Kapazität auf etwa zehntausend Plätze.

Aber der Plan für ein neues Stadion – moderner, größer – startete nie richtig durch. Patron Vincenzo Bellavista träumte davon. Die Bürokratie tötete ihn. Sein Tod im Jahr 2007 setzte den Schlusspunkt.

Und so blieb das Romeo Neri, wo es war. Und tat seine Arbeit. Tag für Tag.

2015 kam der Kunstrasen. 2016 die Erneuerung der Leichtathletikbahn. 2019 die Beleuchtung, angepasst an die Standards der Serie C.

Und dann – im Juni 2023 – Vasco Rossi. Der Soundcheck und der Null-Konzert-Termin seiner Tour. Das Stadion voll, die Musik, die aus diesen Betonmauern drang – lauter als je zuvor. Der Prato della Sartona, der Vasco spielte.

Hätte das jemand der Gräfin Teresa im Jahr 1812 erzählt – sie hätte es nicht geglaubt.

Vom Waisenhaus zur Sporthalle

In der Zwischenzeit stand die Villa der Gräfin noch – jene, die nach dem Abriss von San Gaudenzo gebaut worden war, jene der Knochen, jene, die zum Waisenhaus Pio Felice geworden war.

Bis 1972.

In jenem Jahr wurde das Gebäude abgerissen. An seiner Stelle – dort, wo heute die Sporthalle Flaminio steht – wird jetzt Basketball gespielt. Die Kinder, die das Waisenhaus beherbergt hatte, sind längst alte Männer und Frauen. Niemand erinnert mehr an die Knochen unter der Erde.

Aber e pre‘ dla Sartona – das sagt noch immer jemand.

Daten und Kuriositäten des Romeo-Neri-Stadions

Aktuelle Kapazität: 9.768 Plätze. Haupttribüne: 1.193. Distinti: 3.225. Curva Est: 1.639. Curva Ovest: 2.313. Spielfeldmaße: 105 x 65 Meter. Kunstrasenbelag.

Es ist die größte Sportstätte der Stadt. Es hat Aufstiege und Abstiege gesehen, Freuden und Enttäuschungen, tausende Menschen, die sich im Regen umarmten.

Es hat einfach alles gesehen.

Häufige Fragen zum Romeo-Neri-Stadion

Wo liegt das Romeo-Neri-Stadion?

Das Romeo-Neri-Stadion befindet sich in der Piazzale del Popolo, 3 in Rimini, südlich der Altstadt, nur wenige Minuten von der Strandpromenade von Marina Centro entfernt.

Wie viele Plätze hat das Romeo-Neri-Stadion?

Die derzeitige Kapazität beträgt 9.768 Plätze, verteilt auf Haupttribüne, Seitentribünen, Distinti und Kurven.

Wann wurde das Romeo-Neri-Stadion gebaut?

Die Bauarbeiten begannen im Januar 1933 und endeten etwa ein Jahr später im Jahr 1934. Das Gebiet war als Prato della Sartona bekannt, benannt nach Gräfin Teresa Sartoni, die das Land seit 1812 besaß.

Wer war Romeo Neri?

Romeo Neri war ein Turner aus Rimini, Gewinner von drei Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 1932 in Los Angeles. Er war der erste Sportler der Stadt, der an einer Olympiade teilnahm. Das Stadion wurde nach ihm benannt.

Kann man das Romeo-Neri-Stadion besichtigen?

Das Stadion ist bei Heimspielen des Rimini Calcio für die Öffentlichkeit zugänglich. Für Führungen oder besondere Veranstaltungen empfiehlt es sich, den Verein oder die Stadt Rimini zu kontaktieren.


Ich weiß, es klingt seltsam: eine verfluchte Wiese, die zum Stadion wurde. Ein abgerissenes Heiligtum, das zur Sporthalle wurde. Ein Waisenhaus, das zum Basketballparkett wurde.

Aber so funktioniert Rimini. Orte bleiben nicht, was sie einmal waren. Sie verwandeln sich. Sie recyceln sich. Sie ändern ihre Seele, auch wenn die Knochen unter der Erde liegen bleiben.

Jedes Mal, wenn ihr das Romeo-Neri-Stadion betretet – für ein Spiel, für ein Konzert, um euer Kind zum ersten Mal hinzubringen – denkt daran: Ihr geht auf zweitausend Jahren Geschichte. Unter dem Kunstrasen liegt eine Pferderennbahn. Unter der Rennbahn eine Wiese. Unter der Wiese eine Gräfin, ein Heiligtum, Gebeine.

Und darunter: Rimini. Das echte. Jenes, das du nie aufhörst zu entdecken.

Du weißt, wo du mich findest. Im Aqua Hotel.

Über mich

Mein Name ist Cristian Brocculi und seit über zwanzig Jahren lebe und arbeite ich in Rimini.
Ich kenne jede Ecke dieser Stadt – von den bekannten Sehenswürdigkeiten bis zu den versteckten Schätzen im Hinterland.

Ich habe diesen Blog erstellt, um dir zu helfen, Rimini wie ein echter Einheimischer zu erleben,
mit authentischen Tipps, lokalen Erlebnissen und Geschichten, die du in Reiseführern nicht findest.

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